Stootsie

von | Mai 16, 2013 | Bands, Bass

Frontman der Salzburger Band “The Seesaw”

Mein drittes Bassisten-Interview habe ich heute mit einem Local Hero aus Salzburg geführt. Stootsie alias Michael Steinitz ist vor allem als Sänger und Gitarrist von “The Seesaw” bekannt. Weiters spielt er noch in einigen anderen Projekten mit, darunter auch als Bassist bei der Oldies-Coverband “Dark Shadows”.

Stootsie am Rickenbacker Bass

Stootsie am Ricken­backer Bass

Stootsie ist auch Eigen­tümer des kleinen aber feinen Gitar­ren­ladens “Riverside Guitars” am Salzburger Markus­platz. Natürlich gibt es dort auch Ebässe zu kaufen. Das folgende Interview haben wir in diesem gemütlichen Ambiente geführt:

Markus: Mit wieviel Jahren hast Du angefangen ein Instrument zu spielen?
Stootsie: Ich war ein relativer Spätzünder, so mit 12–13 ungefähr. Es war zwar immer ein Klavier daheim und eine unges­timmte Gitarre. Irgendwann hab ich dann doch angefangen, eigentlich zuerst mit dem Klavier. Aber dann kamen die ersten Beatles-Filme und ich hab gedacht: “Yes, das ist es!”.

Ein halbes Jahr hab ich es mit einem Lehrer probiert, aber dann gesagt: “Nein, das ist nicht meins”. Und nach einem Jahr hab ich dann einfach selbst angefangen. Hab mir ein kleines Heftl gekauft mit Akkorden drinnen. Das war dann mit 14 ungefähr. Und dann ist eigentlich relativ schnell was weiterge­gangen.

Markus: Also, Bass hast Du dann später gelernt?
Stootsie: Naja, gelernt — in die Hand genommen! Das trifft’s eher. Denn manchmal ergibt es sich halt, dass man Bass spielen muss, weil keiner da ist. Eine fehlende Gitarre kann man leichter verschmerzen als einen Bass, eigentlich.

Markus: Ja, wenn ein Klavier zumindest da ist.
Stootsie: Wenn ein Klavier zumindest da ist, kann das schon auch die Gitarre ersetzen, allerdings auch den Bass.

Markus: Du spielst im Grunde Klavier, Gitarre und Bass — und die Stimme natürlich. Spielst Du noch andere Instru­mente?
Stootsie:
Ein bissl Schlagzeug.

Bässe und Gitarren im Riverside Guitars

Bässe und Gitarren im Riverside Guitars

Markus: Und das mit dem Singen parallel einher gegangen, oder?
Stootsie: Das ist ansich parallel einherge­gangen, weil ich gern Leadsänger sein wollte. Das hat aber nicht so richtig hingehaut. Ich bin kein so richtig guter Sänger, aber mit Herz, würd ich sagen.

Markus: Das ist ja auch das Wichtigste!
Stootsie: Ja eh, aber trotzdem. Wenn man geistig hört, wie’s eigentlich anders gehört, das aber nicht so beim Mund rauskommt, wie man sich das wünscht, ist das immer frustri­erend. Aber es wird mit dem Alter besser, mit der Erfahrung.

Markus: Mit wieviel Jahren hast Du dann angefangen, Bass zu spielen?
Stootsie: Das war schon relativ spät. Ich hab ansich schnell mal einen Bass gehabt — einen Ricken­backer lustiger­weise. Und als Gitarrist, wenn man Gitarre spielen kann, ist Bass nicht mehr so ein schwieriger Schritt. Also, Bass spielen und wirklich Bass spielen sind immer zwei verschiedene Paar Schuhe. Aber beim banddi­en­lichen Bass-Spiel geht’s haupt­sächlich darum, dass man Rhyth­mus­gefühl hat. Das übersehen viel Leute, also dass es gar nicht so wichtig ist, was die linke Hand macht, sondern eher was die rechte Hand macht. Dass der Schwung da ist.

Markus: Ja, von den Saiten und der Stimmung her ist es ja auch ziemlich dasselbe. Wenn Du weißt, wo auf der Gitarre die Noten sind…
Stootsie: Aber ein Gitarrist spielt anders Bass als einer der sagt: “Bin nur Bassist”. Du bist halt mit den Skalen besser vertraut als die — meisten — Bassisten. Es gibt natürlich schon welche, die ganz schön abgedreht sind.

Und es war dann Anfang der 90er Jahre, mein erster Bassis­tenjob für die Steve Westfield Slow Band. Die haben mich gefragt, ob ich Bass spielen kann auch. Die kommen aus Boston und haben keinen Schlagzeuger gehabt und keinen Bassisten.

Markus: Hast Du drei Lieblings­bassisten?
Stootsie: Ich bin ein Riesen Mc Cartney-Fan. Der zweite ist James Jamerson. Ich bin ein irrer Soulfan. Und Jamerson setzt da einfach den Standard, wo alle probiert haben, da hin zu kommen. Aber es ist so verrückt — da fang ich gar nicht an nachzu­denken, dass das je so klingt.

Inside Riverside Guitars

Inside Riverside Guitars

Markus: Jamerson hat es meiner Meinung geschafft, viele Töne zu spielen, ohne jemals hektisch zu wirken und dabei immer zu grooven.
Stootsie: Weil er einfach so ein Melodie-Verständnis gehabt hat am Bass.

Markus: Er hat ja auch nie Unter­richt gehabt und einfach gespielt…
Stootsie: Mit einem Finger!

Markus: Wer sind Deine drei Lieblings­bands? Wahrscheinlich mal die Beatles…
Stootsie: Beatles sind natürlich auch ganz oben. Ich bin ein Riesenfan der Sixties‑G’schicht’n, also eben Small Faces, The Who. Das ist mal das Wichtigste. Aber auch die Beach Boys. Ich bin ein Riesen Brian Wilson, der ist auch ein Mörder Bassist. Das ist also mein dritter Lieblings­bassist.

Markus: Wie hat Deine erste Band geheißen?
Stootsie: The Wash, nein die ganz erste Band hat geheißen Chiuso Main. (keine Garantie für die Schreib­weise) Das war mit einem Schulkol­legen gemeinsam.

Markus: Welchen Stil habt Ihr gespielt?
Stootsie: Wir haben natürlich gecovert. Der andere Gitarrist war sehr auf Neil Young. Und ich war in Richtung Stones, Beatles und The Who. Das war so die Mischung. Und damals waren auch riesig angesagt Bap. Wir haben ungefähr 15 Bap-Nummern im Programm gehabt.

Markus: Wie hat das mit dem Kölnischen Dialekt geklappt?
Stootsie: Einfach imtiert. Wir haben extrem lange Nummern von Bap gespielt, Extended Versions, z.B. von “Verdammt lang her!”. Das war echt eine lustige Zeit.

Markus: Welchen Bass spielst Du, oder welche Bässe?
Stootsie: Mein Ur-Bass war immer der Ricken­backer, dann der Höfner, der Violinbass. Den hab ich auch relativ schnell gehabt. Jetzt hab ich einen g’scheit’n 60er Jahre Precision und einen 71er Jazzbass. Und viel mach ich mit dem sechsaitigen Fender Bass VI aus 1962. Der ist gestimmt wie eine Gitarre, halt eine Oktave tiefer.

Markus: So etwas wie einen Fünfsaiter oder Sechs­saiter spielst Du also nicht, oder?
Stootsie: Ich such seit Jahren einen Ricken­backer Achtsaiter. Der ist mit Oktaven gestimmt, ähnlich wie eine zwölf­saitige Gitarre. Der ist aber derzeit nicht aufzutreiben. Die Firma hat die Produktion eingestellt. Er wurde ewig gebaut. Hab mir also gedacht, den bestell ich irgendwann. Und auf einmal war’s vorbei.

Wenn dann einer auf Ebay auftaucht, dann für 4 — 5.000. Und neu hat er 1.500 — 1.800 gekostet.

Markus: Und welchen Verstärker verwendest Du?
Stootsie: Mein Hauptver­stärker ist ein alter Orange, ein alter Röhren-Orange mit einem 15er Speaker. Dazu hab ich einen 4 10er Ampeg und diesen 100 Watt Orange. Dann hab ich noch den Bassman von Fender. War eine super-geniale Serie, die sie leider aufge­lassen haben. Der ist halt praktisch und leicht. Orange und Ampeg Box sind halt eine Schlep­perei. Für die meisten kleineren Geschichten reicht der Bassman.

Früher hab ich einmal eine Warwick-Box gehabt, Doppel 15er, 2 10er. Das war unvorstellbar, ein Kühlschrank!

Markus: Es gibt ja so geile, kleine Combos, die auch richt g’scheit andrücken.
Stootsie: Aber so das große Ampeg Set mit der 8 10er Box und dem großen 300 Watt Top. Das ist schon fein. Das haben wir bei dieser großen Tournee dabei gehabt mit der Steve Westfield Slow Band. Aber wenn Du das mal gespürt hast, das ist schon super. Dafür unschleppbar!

Markus: Welche musikalischen Projekte hast Du derzeit? Sind The Seesaw noch aktuell?
Stootsie: Naja, The Seesaw sind eher ein schlafender Riese, sag ich mal. Und Bass spiel ich eigentlich eh nur bei den Dark Shadows, mit denen wir gerade aufnehmen und am Nummern schreiben sind.

Bei Mel hab ich ein bissl Bass gespielt, z.B. auch bei ihrer CD-Präsen­tation.

Markus: Und als Gitarrist?
Stootsie: Als Gitarrist hab ich Jason und die Argonauten, Drumfree, Toby M., Stootsie solo.

Markus: Stimmt, Du trittst solo ja auch auf.
Stootsie: Sehr viel sogar.

Markus: Und Dark Shadows spielen Oldies?
Stootsie: Ja, die kommen ja auch aus den 60er Jahren. Die Band wurde 1961 gegründet.

Markus: Du bist also der jüngste in der Band?
Stootsie: Der Schlagzeuger — Rudi Posselt — ist noch jünger. Seit sechs Jahren bin ich da dabei. Wir spielen für Freunde und so — und beim Schwarzach Sommerfest im Tauernbahn-Museum. Dafür möchten wir gern eine Platte haben.

Markus: Hast Du noch einen Rat oder Tipp für angehende Bassisten?
Stootsie: Also, sobald man einmal Bass spielen will, ist das eh schon super, weil es eh schon viele Gitar­risten gibt. Aber es kann sich auch jeder Gitarrist einen Bass kaufen. Schadet nie, wenn man einen zuhause hat. Da braucht man auch keine Berührungsängste haben, weil es so einfach ist, wenn man ein bissl Gitarre spielen kann.

Kann auch zu zweit viel lustiger sein, wenn nicht beide Gitarre spielen, sondern einer Gitarre und der andere Bass. Ist stimmiger, als wenn zwei Gitarren dahin­radeln und sich vielleicht noch gegen­seitig stören.

Markus: Ich danke Stootsie herzlich für dieses Interview und freue mich auf ein baldiges Wieder­sehen im Riverside Guitars.