Kurt Wieser

von | Jan 27, 2013 | Bands, Bass, Gitarre, Produzent, Studio

Bassist mit 60ies Background

Mein zweites Interview mit Bassisten der Salzburger Musik­szene hab ich mit Kurt Wieser geführt. Meine Fragen hat er sehr ausführlich und inter­essant beant­wortet. Freu mich sehr über diesen spannend zu lesenden Beitrag und die coolen Videos und Fotos.

Markus: Mit wie viel Jahren hast Du angefangen, ein Instrument zu spielen?
Kurt: Dazu muss ich ein bisschen ausholen: Mitte der 60er-Jahre waren mein Bruder und mein Cousin „im besten BRAVO-Alter“ und haben die „roaring sixties“ einiger­maßen „live“ mitbekommen (soweit das in Öster­reich möglich war).

Auf jeden Fall haben sie mich „mitge­zogen“ – und so wusste ich schon im zarten Alter von sieben, wer Mick Jagger oder Brian Jones ist, Lennon-McCartney, Ray Davis oder Pete Townshend. Und bereits in diesem „zarten“ Alter bin ich zur Erken­ntnis gekommen: „Rockstar werden – das wär‘ doch was!“.

Also habe begonnen, Gitarren-Unter­richt zu nehmen. Leider hat sich bei mir im negativen Sinne bewahrheitet, dass „der erste Musik­lehrer der wichtigste ist“. Meine alte Dame war es nicht; denn sie glaubte, uns mit Schnee­walzer & Co. motivieren zu können.

Daher war mit 10 mit dem Unter­richt schon wieder Schluss! Eine der wenigen Entschei­dungen in meinem Leben, die ich wirklich bereue (resp. bis heute meinen Eltern „vorwerfe“, warum sie mich durch dieses Motiva­tions-Loch nicht „durchgeprügelt“ haben – dann könnte ich heute weiß-Gott-wer sein!)

Bassist Kurt Wieser

Bassist Kurt Wieser

Mit 15 begann dann der „normale“ Weg, warum man anfängt, ein Instrument zu lernen und in einer Band zu spielen (die wahre Motivation: Mädchen! Jeder, der etwas anderes sagt, lügt. Denn selbst der Herr McCartney hat deshalb angefangen).

Und auch wenn mir der Herr M. oder auch Bill Wyman von den Stones mit ihren „komischen“ Gitarren schon früher aufge­fallen sind, habe ich mich erst jetzt thema­tisch mit dem Bass-spielen beschäftigt. Eben aus der Not heraus, kein guter Gitarrist zu sein – und Bass-spielen erschien mir einfach leichter: Hat ja nur 4 Saiten! 😉

Aber mehr als Tagträume sind vorerst daraus nicht geworden. Ein Grund war sicher, dass der Kauf eines Equip­ments von den Möglichkeiten eines Schüler-Taschengeld-Budgets „Licht­jahre“ entfernt war — ich habe sogar ein paar Mal versucht, mir selbst ein Instrument zu bauen.

Aber wenn ich wirklich gewollt hätte …

Denn theoretisch habe ich mich durchaus mit der Thematik auseinan­derge­setzt. Vor allem durch das Vorbild eines Jack Bruce, der mit „Cream“ (neben Eric Clapton) ja der Erste war, der den Bass als gleich­w­er­tiges (und z. B. Solo-) Instrument zur Gitarre etablierte. (Jack Bruce habe ich übrigens vergan­genen Sommer – zufällig – das erste Mal live gesehen; nach dem Motto: “Dass ich das noch erleben darf…”)

Jack Bruce in concert

Oder John Entwistle von den „Who“, der bei „My Gener­ation“ nicht nur das erste Bass-Solo der Rockmusik spielte, sondern auf Jahre hinaus dem Typus des im Hinter­grund agierenden Bassisten prägte (der die ganze musikalische Perfor­mance der Band aber kontrol­lierte).

Langer Rede kurzer Sinn: Wirklich mit dem Bass-Spielen habe ich erst mit 30 begonnen; vielleicht wollte ich erst das 27. Leben­sjahr überschreiten, bevor ich Rockstar werde – um nicht Gefahr zu laufen, Mitglied im berüchtigten „Club 27“ zu werden (Brian Jones, Janis Joplin, Jimi Hendrix, Jim Morrison, Kurt Cobain, Amy Winhouse) – kleiner Scherz!

Markus: Welche Instru­mente außer Bass hast Du noch gelernt?
Kurt: Ich habe im Laufe der Zeit begonnen, Instru­mente zu sammeln, die man unter dem Begriff „Klein­gi­tarren“ zusam­men­fassen könnte – erst auf Flohmärkten, in der Folge dann auch als Mitbringsel von Reisen: Mandoline, portugiesische Kavaquinho, chine­sische Pita, arabische Oud, russische Balalaika etc.

Und bei diesen Instru­menten habe ich, — unabhängig davon, wie diese gestimmt sind –versucht, diese auf Gitarren-/Bass-Stimmung umzumodeln – was nur z. T. (und mit vielen geris­senen Saiten) gelungen ist. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass ich alle diese Instru­mente mehr oder weniger spielen kann.

Kurt Wiesers Instru­mente

In den vergan­genen Jahren habe ich zudem mit dem Slide­gi­tarre-spielen begonnen, weil auch hier es möglich ist, mit wenig (Übungs-)Aufwand optisch und akustisch „sehr viel herzu­machen“.

Kurt Wieser an der Slide Gitarre

Markus: Mit wie viel Jahren hast Du angefangen, Bass zu lernen?
Kurt: Ist schon beant­wortet … und ich bin hier sicher absolut unpräsen­tativ. Aber ich denke, dass es ein guter Zeitpunkt ist, mit der Pubertät – oder sogar vorher – anzufangen. Dazu später noch mehr.

Markus: Was hat Dich motiviert, Bassist zu werden?
Kurt: Ist auch schon beant­wortet. Aber nach dem persön­lichen Lebens­motto „Mehr sein als scheinen“ liegt es mir, als Bassist im Hinter­grund zu stehen, aber zu wissen, dass man in Wirklichkeit eigentlich der wichtigste Mann auf der Bühne ist!
😉 Management by Rumpel­stilzchen!

Markus: Wer sind Deine 3 Lieblings­bassisten?
Kurt: Da reicht die Zahl 3 bei weitem nicht aus: Aus den 60er-Jahren (aber von mir erst in den 70ern wirklich entdeckt) eben Paul McCartney, Bill Wyman, Jack Bruce, John Entwistle oder auch Billy Cox, der in der „Band of Gypsys“, der letzten Formation von Jimi Hendrix vor seinem Tod, zum gleich­w­er­tigen „Gegen­spieler“ zu Hendrix wurde.

In den 70er-Jahren waren das einmal „die großen Drei“: Deep Purple, Led Zeppelin und Pink Floyd – mit den dazuge­hörenden Bassisten Roger Glover (der in der „Gemini-Suite“ ein „Concert for Bass & orchester“ spielte), John Paul Jones und vor allem Roger Waters, der ja eine Zeit lang zur bestim­menden musikalischen Persön­lichkeit der Floyds wurde („The Wall“).

Auf Platz 4 gehört zweifellos Santana; aber dann kommen noch Uriah Heep, Mountain, UFO, Jethro Tull, Nazareth u. v. m. In den 80er-Jahren war das dann „der Boss“ und Sting – letzterer sowohl mit also auch ohne „Police“. Denn gerade solche 3er-Forma­tionen faszinieren mich, weil sie dem Bassisten viel Platz zur musikalischen Profil­ierung lassen.

In den 80ern noch wichtig: Mark King von „Level 42“, der die Technik des Slappens erfand. Zunehmend spielte auch der Jazz eine Rolle – und damit Leute wie Jaco Pastorius & Co. – wobei ich aber immer sage: Rock verhält sich zu Jazz … wie Sex zu Mastur­bation!

Und in den 90ern sind aus Bassisten-Sicht sicher noch die „Chilly Peppers“ zu nennen, deren „Flea“ unwahrschein­liche Bass-Läufe liefert.

Markus: Wer sind Deine 3 Lieblings­bands?
Kurt: Ist z. B. ja schon beant­wortet. Ich versuche nur mittler­weile, möglichst keine „Lieblings“-Band zu haben, sondern damit offen zu bleiben für alle möglichen Einflüsse – von barocker Gamben-Musik bis zum Free-Jazz.

Tatsächlich gibt es eigentlich nur wenig Musik, die ich als solche überhaupt nicht mag. Gerade in (m) einem Alter wird es aber immer schwieriger, auf dem Laufenden zu bleiben. Zumal ich ja so „oldfash­ioned“ bin, zu glauben, dass Musik-machen immer noch etwas mit Instru­mente-spielen (und nicht Computer-samplen) zu tun haben sollte.

Markus: Wie hieß Deine erste Band? Welcher Musikstil?
Kurt: „Fifty Freud“ – und wie so oft war der Band-Name die bei weitem bedeu­tendste Kreativleistung!

Ist also unwichtig: Wir spielten zwar Eigenkom­po­si­tionen, diese aber über Jahre hinaus „unfertig“ … also ohne irgen­deine Weiter­en­twicklung. Das Ganze war immer nur ein mehr oder weniger gelun­genes Herum-Sessioneln, dessen Qualität nicht zuletzt auch von diversen konsum­ierten Substanzen abhing – was mir irgendwann zu blöd und auch zu heiß wurde: Dass der Smell im Proberaum an der Alpen­straße nicht bis zur nahegele­genen Polizeikaserne drang, wundert mich heute noch.

Markus: Welchen Bass spielst Du? Saiten-Anzahl?
Kurt: Ich habe mir im Laufe der Zeit einige gekauft … und auch wieder verkauft. So war ich z. B. der „1.Kunde“ von KEY WI, als Gerhard Bernegger sein Zeug noch in der Stube eines Bauern­hofes an der Moost­rasse verkauft hat.

Heute habe ich einen schwarzen No-name-Bass (billig aus dem Dorotheum) einen Akustik-Bass von YAMAHA (mit A‑D-G-C-Besaitung). Und von meinem Bass-Lehrer Stephan Redten­bacher, dem wahrscheinlich wichtigen Bassisten der Salzburger Szene (lebt heute in London) habe ich den „kopflosen“ STEINBERGER übernommen – in den 80er-Jahren d e r Kult-Bass (weil einer der ersten aus Graphit!), aber sehr schwer zu spielen. Daher habe ich mir den als Upright-Version auf ein Stativ geschraubt.

Zur Saitenzahl ist zu sagen: Vier! (sonst könnte ich ja gleich Gitarre lernen).

Bassisten sollten nicht auf das „Wer-hat-den Größten“-Spielchen hinein­fallen! Denn guten Bass kann man auch auf vier Saiten spielen – vielleicht sogar nur auf drei! (ich trage mich seit Jahren mit der Idee, einen 3‑Saiter zu bauen)

Markus: Welchen Verstärker verwendest Du?
Kurt: In erster Linie einen POLYTONE Mini Brute, also eine kleine Combo-Version. Sie reicht für die meisten Einsätze aus. Die 180-W-Monster­boxen haben sich seit Jahren nicht mehr aus meinem privaten Proberaum hinaus­bewegt.

Markus: Wie heißt Deine derzeitige Band, Dein derzeitiges Projekt? Welcher Musikstil?
Kurt: Ich habe derzeit keine Band. Ein „Projekt“ mit zwei Freunden, in dem wir auf STS-Basis alte Hadern nachk­lopfen, wird zwar immer wieder mal aktiviert, hat aber eher Stammtisch-Charakter:

Kurt Wiesers Austropop Projekt

Im Laufe der Jahre war ich in diversen Amateur- Bands, die aber meist über einen ersten Auftritt nicht hinweg gekommen sind (dafür reichte gerade die Motivation!). In der Folge hat sich dann aber gezeigt, dass doch mehr (Zeit-)Aufwand dahin­ter­steht, als die meisten Leute einsetzen wollen … und dann schläft das Ganze ein – oder endet im Streit, wer „schuld“ am Nichts-weitergehen hat.

An sich suche ich eine Band, also irgen­deine Cover-Partie, bei der ich einfach „nur Bassist“ sein kann … und die vom Zeit-Aufkommen und auch vom Alter passt – was nicht so einfach ist.

Meine musikalischen Ambitionen realisiere ich aber auch in Projekten, in denen ich „Komponist“ und „Musikpro­duzent“ (Curtis Meadow) bin — und das gerne ausbauen würde, bin hier also durchaus auf Partner-Suche (vor allem nach „richtigen“ Sängern/innen).

Aber das hat mit Musik-spielen weniger zu tun als mit Computer-Bastelei. Daher vermisse ich das Live-Spielen durchaus.

Markus: Hast Du einen Rat/Tipp für angehende Bassisten? Wenn ja, welchen?
Kurt: Ja, unbedingt! Wenn man die bereits genannte Pubertäts-Motivation hernimmt, dann schaut das erfahrungs­gemäß doch so aus: Der beste Gitarrist spielt Solo, der zweitbeste Rhythmus … und der Schlechteste muss den Bass übernehmen!

Also will jeder Gitarren-Hero werden (eben auch wegen der Mädchen!) Der Effekt: Es gibt (zu) viele mehr oder weniger gute Gitar­risten – aber viel zu wenig gute Bassisten. Tatsächlich ist der Bassist (zusammen mit dem Drummer) die wichtigste Person in einer Band, wenn es um Rhythmik, Dynamik und „Druck“ geht.

Und deshalb sollte er auch der „Beste“ in einer Band sein!
Als junger Mensch sollte man demnach nicht seiner Rolle als Schmalspur-Gitarrist leid sehen. Sondern sich von vornherein darauf zu konzen­trieren, Bassist-sein zu wollen.

Weil man damit mit dem gleichen Engagement ungleich „weiter“ kommt als die Gitar­risten. Dies auch in Hinblick auf eine poten­zielle „Arbeit­splatz-Sicherung“ – wie gesagt: Es gibt viele …und wenige. Und die wenigen werden immer mehr gefragt sein.

Das gilt natürlich auch für Frauen: Als weiblicher Bassist hat man einen Exoten-Bonus, von dem man davon jahrelang „zehren“ kann – siehe Esmeralda Spalding!

Markus: Ich bedanke mich herzlich bei Kurt Wieser für dieses ausführliche Interview, das keine Fragen mehr offen lässt. Wünsche Dir viel Erfolg für Deine musikalischen Projekte. Vielleicht sehen wir uns ja beim einen oder anderen.