Christoph Parzer

von | Apr 2, 2020 | Bands, Bass, Gitarre, Keyboarder, Produzent, Studio

Der Fels

Mein Inter­viewgast für diesen Blogbeitrag ist der bayerisch-kroatisch-stämmige Multi-Instru­men­talist, Sänger und Produzent Christoph Parzer alias Fels, der im bayerisch-öster­re­ichischen Grenzraum im deutschen Städtchen Tittmoning lebt. Dort betreibt er auch sein profes­sionelles und digitales Tonstudio.

Vor seiner schweren Erkrankung, die ihn zu jahre­langem Still­stand zwang, war Christoph Parzer mit dem inter­na­tional bekannten Projekt Fun Report musikalisch sehr erfol­greich. Jetzt geht es in seinem Leben wieder aufwärts.

Christoph Parzer wie er leibt und lebt

Christoph Parzer wie er leibt und lebt

Kennen gelernt hab ich Christoph schon vor einigen Jahren als es ihm gesund­heitlich noch sehr schlecht ging. Mittler­weile ist er wieder genesen und fühlt sich fitter als zuvor. Auch an der musikalischen Karriere und am Produzieren ist er wieder dran. Daher freue ich mich sehr, dass Christoph sich die Zeit genommen hat, mir ein Interview über Skype zu geben, das ich in diesem Artikel wiedergebe.

Markus: Wann hast Du begonnen, ein Instrument zu spielen?

Christoph: Das war mit 3, die Flöte, und Triangel ist mir noch einge­fallen. Dann kam mit 4–5 die Melodika dazu, mit 6 die Trompete, mit 12 Orgel und Ziehhar­monika. Mit 14 hab ich dann schon in der Kirche spielen können. Und dann bin ich auf die Rockmusik gekommen.

Markus: Wie bist Du zur Rockmusik gekommen — über Deine Freunde oder übers Radio?

Christoph: Das war das Radio. Ich kann es Dir ganz genau sagen, weil mein Vater hat mich verflucht damals. Ich war 9 Jahre alt, das war 1972. Mein erster Song, den ich in der Rockmusik gehört hab, war Ozzy Osbourne. Paranoid war die erste Nummer, die ich als Neunjähriger damals gehört hab. Und dann war’s vorbei. Am ersten Konzert war ich 1974 bei Status Quo, 1976 bei Uriah Heep, 1978 Led Zeppelin, dann die ganzen anderen. Mit 15–16 war ich ja schon immer unterwegs mit Älteren.

Markus: Du hast also schon sehr früh Gas gegeben. Und Du hattest ja dann mit 15 Deine erste Band?

Christoph: Ja, das war 1977 — die Band hieß “The Crew”. Und 1979 hatten wir dann in Freilassing und Umgebung die ersten Auftritte und Open Airs. Unser Schlagzeuger war der Älteste und hatte schon einen Führerschein. Da haben wir uns drange­hängt.

Markus: Na gut, einer reicht ja in einer Band, der einen Führerschein hat.

Christoph: Damals hat’s gereicht, weil du von nicht aufge­halten worden bist. Polizei war Mangelware damals hier bei uns.

Markus: Heutzutage sind es ja auch nicht viel mehr. Aber im Moment müssen jetzt eh alle Musiker daheim bleiben und können leider nicht auftreten.

Christoph: Jetzt sind wir ja alle brav. Aber wie gesagt, bei mir ist es halt früh schon losge­gangen. Und das hat sich dann durchge­zogen bis heute — bin immer noch am Ball, hoff ich doch.

Markus: Ja, auf jeden Fall!

Christoph: Jetzt war halt krankheits­be­dingt Pause, aber jetzt bin ich wieder dabei und hab das Studio neu aufgebaut und produziere auch schon Musiker. Und meine neue CD kommt diese Jahr raus, weil ich mit einem Berliner Studio zusammen arbeite, mit John Lujan. Er hat auch schon ewig lange im Tonstudio gearbeitet. Und wir produzieren das Album gemeinsam. Wir arbeiten im Studio zusammen und haben auch noch Freunde in München in einem Tonstudio. Da läuft also viel über Teamwork. Wir suchen uns halt gezielt die Leute für unsere Projekte aus.

Markus: Klingt sehr cool.

Christoph: Es ist halt nicht mehr so wie es früher war. In den 90er Jahren mit dem großen Studio war ich natürlich ausge­bucht, mit Leuten aus Amerika und der ganzen Welt. Damals… Aber das ist schon lange her, und jetzt mach ich das einst­weilen in kleinerem Rahmen nach dem Motto “Stay home!”

Lost in keyboards

Lost in keyboards

Markus: Aber, wer weiß, wie es sich entwickelt. Das kann ja dann bald wieder nach oben gehen.

Christoph: Ich bin ganz zufrieden. Außerdem hab ich jetzt schon das gewisse Alter, dass ich diese Action wie damals nicht mehr brauche.

Markus: Ja, kann ich mir vorstellen. Auf Dauer ist das auch anstrengend.

Christoph: So ist es — jeden Tag eine Party…

Markus: Das musst auch einmal aushalten, vor allem die Leber…

Christoph: Ja, die wildesten Zeiten sind natürlich vorbei, aber ich hab schon viel erlebt.

Markus: Ja klar, die kommst dann an deine Grenzen.

Christoph: Das war damals halt so. Das Highlight war anfang der 80er Jahre in Bayern. Aber wir waren ja nicht bloß in Bayern unterwegs, sondern auch viel in Öster­reich. Öster­reich war ja damals weiter voraus als wir. Da gab’s damals ja schon Super Max und Falco. Die öster­re­ichischen Musiker waren ja in Bayern damals sehr angesehen, für mich sowieso. Ich bin ja voll der Super Max Fan.

Markus: Ja, das merke ich auf Facebook immer wieder.

Christoph: Super Max hab ich ja auch live erlebt in den 80ern, in Salzburg noch. Das war schon sehr cool.

Markus: Jetzt hätte ich noch eine Frage zu Deinem Spitz­namen bzw. Künstler­namen, unter dem Dich all Deine Musiker Freunde kennen, also “Fels”. Wie kam es dazu?

Christoph: Ich bin damals mit 21 nach 6 Jahren Band- und Musik­er­leben mit 110kg Gewicht zur Bundeswehr gekommen. Am Anfang mussten mir 3 Kameraden helfen, den Berg rauf zu kommen. Daher stammt der Name “Fels”. Später hat sich das in der Musik­szene dann eingeprägt. Und am Ende des Wehrdi­enstes bin ich mit 68kg wieder aus der Bundeswehr rausgekommen.

Markus: Respekt, tolle Leistung!

Christoph: Ja gut, es hat andere gegeben, die sind mit 68kg rein in die Bundeswehr und mit 110kg wieder raus.

Christoph Parzer mit Bastian Brangenberg

Christoph mit Bastian Brangenberg

Markus: Solche Geschichte kenn ich auch eher…

Christoph: Bei mir war’s halt umgekehrt. Und der Name “Fels” ist mir seitdem geblieben. Und unter diesem Namen habe ich dann auch meine erste Single rausge­bracht. Die war noch Vinyl und hat “Fels” geheißen. Zwischen­durch wollte ich diesen Spitz­namen zwar einmal ablegen, aber das geht nicht. Dafür hat er sich einfach zu sehr eingeprägt, auch in Öster­reich. Aber ist auch OK.

Markus: Ja, es gibt viel schlimmere Spitz­namen…

Christoph: Da weißt, was los ist. Und wie gesagt, mit Öster­reich bin ich weiterhin musikalisch und freund­schaftlich sehr verbunden.

Markus: Wir sind ja auch sprachlich nicht sehr weit auseinander.

Christoph: Auch räumlich nicht — ich schau ja jeden Morgen vom Fenster nach Öster­reich rüber. Sind ja nur 500m.

Markus: Und bei mir ist es genau umgekehrt — ich schau jeden Morgen nach Bayern rüber. Same same quasi…

Christoph: Aber ich schau lieber nach Öster­reich als Du nach Bayern. Kannst mir glauben.

Markus: Naja, ich bin normaler­weise schon in der Freizeit viel in Bayern, z.B. beim Skifahren oder Wandern am Königssee.

Christoph: Wir beide sind halt voll die Globe­trotter.

Markus: Ja total — und deshalb ist die derzeitige Situation ja für uns beide sehr unangenehm. Aber nützt jetzt nichts, da müssen wir durch. Wie gesagt, sprachlich sind wir sehr nahe bei einander — Hochdeutsch sprechen wir beide persönlich nie miteinander, aber auch Bayern und Öster­re­icher allgemein.

Christoph: Wozu auch? Das bring ja nix! Und ist auch gut so mit dem Dialekt.

Christoph Parzer auf Tour

Christoph auf Tour

Markus: Zurück zu einer ersten Band — The Crew…

Christoph: Letztes Weihnachten wir ein ehema­liger Gitarrist da — es leben ja leider nicht mehr alle von der Band — und hat mir Aufnahmen von 1979 vorge­spielt, brutal!

Markus: Sehr geil!

Christoph: Ja, voll geil — wir haben uns eigentlich angehört wie AC/DC. Es waren schon Eigenkom­pos­tionen, aber doch sehr abgekupfert von den anderen.

Markus: Naja, ein bisschen muss man sich ja von anderen inspirieren lassen. Das heißt der Stil war Rock, härterer Rock?
Christoph: Hardrock, Rock und Blues haben wir damals gemacht, natürlich mit Hammond. Und wir haben damals schon zweis­timmig gesungen.

Markus: Das klingt schon sehr profes­sionell.

Christoph: Durch die Blasmusik hab ich das gelernt — zweite, dritte und vierte Stimme setzen.

Markus: Sehr geil, denn die Mehrstim­migkeit ist ja gerade das Schwierige beim Singen.

Christoph: Es war wie gesagt eine sehr wilde Zeit, aber auch eine sehr inter­es­sante Zeit. Man lernt ja ständig dazu, wobei ich halt sehr viel von älteren Musikern gelernt hab, die sehr offen waren gegenüber uns jüngeren. Wir haben viel von denen gelernt, dann aber auch wieder weiter gegeben. Ich unter­richte ja auch einige Schüler, z.B. hab ich einen sehr begabten vierzehn­jährigen Gitar­risten und auch einige Sänger. Ich geb halt gern alles weiter, weil ich dadurch auch selbst weiter komme. Und ansich gibt’s bei der Musik ja kein Alter. Da gibt’s nur Begabung oder keine.

Markus: Das stimmt — die Bandbreite ist nach oben ja auch offen.

Christoph: Ja, ich hab auch schon einmal mit einem 85jährigen Schlagzeuger gespielt. Der hat in den 30ern mit Duke Ellington gespielt und sich dann im Ruhestand in der Nähe von Tittmoning nieder gelassen. Es gibt da keine Alters­grenzen — Musik ist zeitlos.

Markus: Das war ja in meiner früheren Soulband auch so. Der Alter­sun­ter­schied zwischen jüngstem und ältesten Bandmit­glied waren 29 Jahre.

Christoph: Ja, das ist völlig egal. Ich produziere ja gerade die CD für den Basti, der ist 14. Den kenne ich, seitdem er 13 ist. Den coache ich, und wir haben schon 5 Gigs miteinander gespielt. Da müssen halt die Eltern immer dabei sein. Aber wenn er 16 ist, kann er auch ohne sie auf die Gigs gehen.

Markus: Ja, das macht’s dann wieder einfacher.

Christoph: Und es ist immens wichtig, auf junge Leute eingehen zu können, was ich auch tue. Da gibt es so begabte Musiker. Ich kenne einen elfjährigen Schlagzeuger, der spielt perfekt Saxon und andere Hardrock­bands nach. Und genau solche Leute möchte ich unter­stützen. Meine geplanten Touren fallen ja derzeit eh leider ins Wasser, weil die Corana-Tour wahrscheinlich noch ein bisschen länger dauert.

John Lujan an der Gitarre

John Lujan an der Gitarre

Markus: Jetzt wollte ich noch einmal bezüglich Deiner CD nachfragen, die bald rauskommt und die Du mit John Lujan produzierst. Hat das Projekt schon einen Namen?

Christoph: Ganz genau steht der Name noch nicht, aber wahrscheinlich wird es “Fun Report” werden. Unter diesem Namen haben wir früher schon Musik gemacht und produziert. Da haben wir auch schon einige CDs — also wird’s möglicher­weise “Fun Report featuring John Lujan”. Der Name ist ja inter­na­tional bekannt — wir waren ja 3 einhalb Jahre in Venezuela und 6 Jahre in den USA.

Markus: Hat das Album schon einen Namen?

Christoph: Das steht noch in den Sternen.

Markus: Und wie schaut’s mit der Veröf­fentlichung aus?

Christoph: Die ersten Songs werden im Sommer rauskommen. In Zukunft wird’s dann auch eine Fun Report Website geben, als Webshop, wo man alle bisherigen Produk­tionen kaufen und downloaden kann, einge­spielt von Musikern aus der ganzen Welt. Stilis­tisch ist da alles dabei — außer Jazz und Klassik. (Selbstredend gibt’s natürlich auch nichts im Bereich trivialer Unter­hal­tungsmusik, schon gar nicht mit alpinem Charakter!)

Markus: Was den letzten Punkt betrifft, bin ich froh, dass ich nicht der Einzige mit solchen Abnei­gungen bin.
Christoph: Nach diesem Shutdown wird sicher wieder großes Interesse an wirklich guter Live Musik da sein, ehrlicher Musik, nicht an dieser Schun­kelmusi.

Markus: Wie geht’s bei Dir dann live weiter?

Christoph: Wir werden das nachholen, was Corona bedingt ausge­fallen ist. Ich werde einer­seites mit Ivo Kvesta, einem kroat­ischen Musiker, auf Tour gehen und ander­er­seits mit Hector Castillo aus Caracas.

Markus: Was ist eigentlich bei Deinen Keyboards Dein Lieblings-Equipment?

Christoph: Ja im Grunde alles, was gut ist — also, Nord, Yamaha, Korg und Roland.

Christoph Parzer mit Dimitra Politis

Christoph mit Dimitra Politis

Markus: Aber das Wichtigste ist ja, dass man gut spielen kann?

Christoph: Ja, spielen musst du können. Dann kommst eigentlich mit folgenden Sounds gut aus: Klavier, Hammond, E‑Piano und Streicher — alle natürlich mit exzel­lentem Klang. Wobei ich früher mehr elektromäßig und exper­i­menteller unterwegs war. Da brauchst natürlich auch noch mehr Sounds.

Markus: Und wer sind so Deine Lieblingsmusiker — individuell und Bands?
Christoph: Die meisten meiner Lieblingsmusiker sind leider schon gestorben — wie z.B. Delmar Brown, mit dem ich auch zusam­mengear­beitet hab. Lieblingskey­boarder von mir ist Jordan Rudess von Dream Theater, der in Miama 8 Monate lang mein Nachbar war. Und von den Bands her würde ich sagen Toto und Super Max, ich mag aber echt wirklich sehr viele Bands. Von Toto schätze ich Steve Lukather sehr, mit dem ich auch zusammen gearbeitet hab. Der ist einfach persönlich und musikalisch sehr gut drauf. Aber generell kann ich mich da eher schwer auf bestimmte Musiker festlegen. Wobei ich Sting noch echt mega finde. Die Rolling Stones hingegen respek­tiere ich nur für ihr Durch­hal­tev­er­mögen.

Markus: Wobei ich finde, dass Darryl Jones eine sehr große Bereicherung ist.

Christoph: Ja, und eine sehr guter Freund von mir — Bernard Fowler — singt schon seit mindestens 25 Jahren bei den Live Gigs der Stones im Background.

Markus: Dann hoffen wir, dass Du bald selber auch wieder auf Tour gehen kannst.

Christoph: Auch als Band sind schon 5 Konzerte geplant — mit dem jungen Gitar­risten Bastian Brangenberg. So wird dann auch die Band heißen.

Markus: Welches Instrument wirst Du spielen.

Christoph: Ich werde singen und Bass spielen.

Markus: Du bist da ja sehr flexibel, was ich sehr bewundere. Dann wünsche ich Euch viel Spaß beim Spielen und Dir viel Erfolg für Deine anderen Projekte. Vielen lieben Dank für das Interview!

Wer mehr von Christoph Parzer alias Fels wissen oder hören möchte, wird auf hier fündig:

Sobald die Fun Report Website online ist, werde ich natürlich auch dorthin verlinken.